Insel, ja!!!

Hallo an Alle!

Uns geht es gut! Die Anspannung ist totaler Erschöpfung gewichen. Wir kommen mit einem blauen Auge davon, wissen, das unser Keller nicht dicht ist, aber es ist außer aufgerissenem Estrich und Wasser keine Schaden an Möbeln, Technik oder Dokumenten entstanden. Jetzt muss das Grundwasser sinken, wir pumpen und trockenen grob. Die Baufirma versucht jetzt bei noch hohem Grundwasser, die Lecks zu finden und zu dichten. Sobald das Wasser weg ist, wird man den Erfolg von Maßnahmen nicht mehr überprüfen können, bis zum nächsten Hochwasser.

Wenn nichts mehr reindrückt kommen die Trocknungsmaßnahmen, damit sich kein Schimmel bildet. Also noch viel Arbeit und auch lange.

Wir haben in der zweiten Nacht ohne Strom bei den Freunden unseren Wohnwagen abgestellt und dort geschlafen, die Mädchen waren schon einen Tag eher dort und wir wollten bei ihnen sein. Der Strom wurde in der Nacht wieder angestellt und gestern sind wir heimgekehrt, haben unsere Fenster- und Türenabdichtungen und Sandsäcke abgebaut und den Sand teilweise wieder in den Sandkasten gekippt. Dort war der Boden dann doch noch nass geworden. Zu dem Zeitpunkt hätte eine Deichbruch nur noch das Straßenniveau, vielleicht noch das Haus erreicht, aber nicht mehr die Türen. Das Wasser sinkt stetig, jetzt etwas langsamer und die Evakuierung des Werders wurde gestern Mittag aufgehoben. Die Kinder gehen weiter in Kindergraten und Schule, soviel Normalität wie möglich.

Meine Klinik ist weiterhin evakuiert. Ich kann/muss nicht Arbeiten. Das sit gut, denn es ist noch soviel zu tun.  Es gibt aber auch kein Gehalt, soweit bisher bekannt. Urlaub werde ich  noch nötig brauchen, den nehme ich nicht für das Hochwasser, als Betroffene.

Ich versuche zuhause alles wieder zu richten und zu säubern, bzw. ich kann heute mal versuchen wieder runterzukommen und Zeit für mich zu nehmen, z.B. mit den Damen aus meinem virtuellen Nähkränzchen und mit einer Runde durch den MMM.

Heute gibt es etwas Sportprogamm mit dem neuen Ellipsentrainer, der hier wegen der Flut seit 2 Wochen unausgepackt stand. Aufgebaut, Alltag, Sport. Das muss sein!! Falls ich noch ein  oder zwei Tage frei habe, werde ich auch nähen, dem Garten etwas Zuwendung geben und immer wieder Wasser aus dem Keller holen.

Also: Blaues Auge! Wir haben großes Glück gehabt und viele Emsige Helfer, die den Werder und auch die ganze Stadt vor noch schlimmeren bewahrt haben.  Es ist phänomenal, was geleistet wurde. Wir haben ein wenig mitgeholfen, waren aber als Betroffene auch mit der Sicherung unseres Hauses, der Unterbringung der Kinder, der Arbeitsplatzevakuierung, etwas Nachbarchaftshilfe eingebunden. Und viele Hundert Anrufe, Anfragen, die wir einfach nicht mehr alle beantworten konnten. Danke allen für die Hilfsangebote, guten Wünsche und Nachfragen.

Und ja, ich bin glücklich hier auf dem Werder und so nah an der Elbe zu leben. Und ja, die weiße Wanne ist nicht dicht, hat uns aber trotzdem vor schlimmeren bewahrt. Richtige Entscheidung!

 

Liebe Grüße, Sabine

 

Flacher! Länger? Weniger?

Ich gebe Euch mal ein paar Einblicke in das wirre Seelchen einer Hochwasserbedrohten.

Bei uns ist es bisher noch nicht dramatisch! In der Straße ist es eher ruhig, man steht zusammen, erzählt. Kräfte schonen, wer weiß, was kommt. Und hoffen.

Die gestrige Info war, das es heute bei 640 cm in zum jetzigen Zeitpunkt wäre. Dann würde es bei uns reinlaufen. Aber momentan sind wir bei 550 und die 640 sind auf Freitag früh gerutscht. Die 720 nicht mehr in der Nacht von Samstag auf Sonntag sondern jetzt voraussichtlich erst Montag. Vielleicht  wird es dann auch nicht ganz so hoch?

Heute bei den Nachbarn ein paar Sandsäcke gefüllt und für uns welche besorgt. Wir nehmen unseren Sandkastensand. Sind meherer Kubik, das sollte reichen.  Wir haben zum Glück keine Kellerfenster und eigentlich eine weiße Wanne, also einen wasserdichten Keller. Eigentlich! So hätte es sein sollen, aber die Baufirma hat einen groben Mangel hingekriegt und wir wissen seit 620cm im Feburar 2011, das unser Keller nicht dicht ist. Es fließt nur langsam rein und wir können abpumpen. Aber  was wird bei 720 cm? Fließt es dann langsam rein oder schneller? Reicht eine Pumpe?  Wo das Wasser hinpumpen? Auf die Straße, wo es gleich wieder reinfließt? Naja, wohin sonst, aber so paradox. Ist ja überall Wasser.

Werden die Rückschlagklappen zum Abwasser halten?  Wahrscheinlich! * hoffen*. Was wenn der Strom abgeschaltet wird? Dieselgenerator,  wenn wir pumpen müssen.  Ein Bekannter hat einen, der steht aber nun unerreichbar im Flutgebiet. Leihen wir jetzt schon einen, bunkern? Und wenn wir es nicht brauchen aber damit anderen Hilfe vorenthalten wird. Und wenn wir noch warten, gibts dann noch welche? Sandsäcke waren auch nicht mehr in den Baumärkten erhältlich. Ein  Autohändler hat in seiner Sattlerei  welche genäht und verschenkt sie. Danke, dafür!!  Wahnsin, viel Hilfsbereitschaft, viele Hilfsangebote. Wir müssen noch warten, wilder Aktivismus nützt nix, verpufft nur die Energie. Sind ja selbst betroffen, aber wie stark?

Aber auch viele Gaffer. Selten so viele Spaziergänger und Radfahrer mitten in der Woche an der Elbe gesehen. Leute die gerade im Café sitzen während 200 m weiter Freiwillige und Verplichtete Sandsäcke vollschaufeln, schleppen, damit die Stadt, die Menschen nicht absaufen…..

Hab vorhin ein Bild gesehen, auf dem Schnecken auf einem Stück Treibholz saßen und mußte heulen. Echt, wegen Schnecken. Anspannung pur. Seit 3 Tagen und noch mindestens  bis Sonntag. Schafft man das 7 Tage?

Meine Klinik wird bisher nicht evakuiert, Freitag hab ich Dienst. Dann?

Die Deiche sollen bis 800 cm halten, verspricht der Bürgermeister. Auf meiner Elbinsel gibts keinen Deich. Ist mir lieber! Deichbruch ist eine noch schlimmere Horrorvorstellung. Dann gibts ne Welle, die macht so viel mehr kaputt!

Hej, und uns gehts noch gut. Wir haben nur Angst! Das Haus wird stehenbleiben. Da geht es anderen echt beschissen und ich kann echt mitfühlen, was in ihnen vorgeht, wenn nicht unbedingt der Leib, aber irgdenwie die Existenz zerstört werden kann.

Und die Gedanken kommen wieder zum Anfang, oder mittendrin, und zwischendurch ganz anders, aber immer dadrin.  Ratter, Ratter……. Und draußen zum trilliardensten Mal heut die Martinshörner…….

Altern kommt später?

Seit ein paar Tagen gehen mir viele Gedanken zum Thema Altern durch den Kopf. Angestoßen durch Dodo, die sich zum Anlass ihres Geburtstages ein paar Gedanken von der Seele geschrieben hat. Gestern bin ich dann bei Michou auf Ausführungen mit vielen interessanten Aspekten gestoßen, die auch gleich etliche Kommentatorinnen zum verlautbaren ihrer Gedanken gebracht hat. Interessantes Thema, das.

Passenderweise erschien gerade auch gestern das SZ-Magazin mit dem bedrückenden Artikel „Letzte Station“, in dem die Journalistin Almut Mangold über ihre Erfahrungen berichtet, die sie gemacht hat, als sie für ein halbes Jahr über eine Leihfirma in diveren Altersheimen gearbeitet hat. Und genau da setzen meine Gedanken an.

In der Tat stelle ich das Altern an meinem Körper fest. Ein „Schreckmoment“ war der 50. Geburtstag meines Bruders. Ich werde demnächst 42. Soooooo alt sind wir schon. Meine grauen Haare färbe ich seit diesem Jahr nicht mehr. Erst als ich meinen Friseurtermin wegen allgemeiner Grippe im Hause Masa nicht einhalten konnte und das Weiß sich durchsetztungsstark auf meinem Kopf „behauptete“ sah ich, wieviel es schon geworden war und meine Entscheidung fiel, das so geschehen zu lassen. Ich kam zu dem Entschluß, das ich nicht gegen das Altern ankämpfen wollte, sondern es mit Würde akzepieren lernen. Denn es ist unabwendbar, die Erscheinungen kommen, sind allenfalls mit mehr oder weniger viel Mühe etwas verzögerbar und ist es der allgegenwärtige Schönheits- bzw. Normen- und Jugendwahn, der erst unglücklich macht und verhindert, seinen derzeitigen „Zustand“ zu akzeptieren? Das sind die Äußerlichkeiten des Alterns, die muss man schlucken. Ich will versuchen, es so zu tun und denke, das ich damit am meinsten dafür tue, würdig und „schön“ zu altern. Und ja, seinen Schlaf, Ernährung, Körperpflege und die körperliche  Fitness sollte man nicht vernachlässigen, aber soviel ist es gar nicht, was ich damit ausrichte, es sei denn  ich tue allzu vieles, was meinen Körper schadet.

Aber dann kommt da noch das „richtige“ Alter, das Alter jenseits der 70 oder 80. Das Senium! Das macht mir Angst. Nicht, weil ich dann so oder so sein werde, sondern weil ich mich dann in Abhängigkeiten begeben muss?

In meinem beruflichen Alltag habe ich tagtäglich damit zu tun. Alte Menschen im OP und auf der Intensivstation, alte Menschen,  die Schmerztherapie bedürfen. Ich will für mich bis zum Schluß autark bleiben, aber kann ich das? Was ist mit Demenz? Ich habe Angst, am Ende Entscheidungen nicht mehr treffen zu können, kommuniziere jetzt schon mit meinem Mann und werde, so sie soweit sind, zu gegebener Zeit mit meinen Töchtern darüber kommunizieren, was ich will und was nicht. Ich werde nicht einfordern, kann und will es nicht erwarten, das sie mich pflegen, aber ich habe Angst vor Pflege durch Fremde. Diese Gedanken sind für mich das Schwere am Altern. Das unabwendbare Ende hintendran. Oder abwendbar? Darum meine Aufforderung an Euch sich darum mal Gedanken zu machen, sich zu überlegen, was mal sein soll und über seine Wünsche mit den Liebsten in seiner Umgebung zu reden. Trefft  bitte Entscheidungen dann auch auf dem Papier. Macht eine Vorsorgevollmacht, in der steht wer für Euch entscheiden darf, wenn ihr es selbst nicht könnt. Ruhig jetzt schon!! Denn auch der Ehepartner ist nicht automatisch befugt, Entscheidungen zu treffen, geschweige denn ein nicht eingeschriebener Lebenspartner, wenn Frau selber dazu nicht mehr in der Lage ist. Und dann muss ein Gericht den Bevollmächtigen bestellen, in der Regel wird es der Ehepartner, aber in der Regel kein anderer Partner, sondern jemand aus der Familie. Will ich das oder den oder die? Aufs Papier damit und regelmäßig  neu unterschreiben! Und dann am Besten auch eine Verfügung auf dem Papier aber vor allem mit meinen bevollmächtigen „Entscheider“ besprechen, was meine Wünsche sind. Informiert Euch! Will ich Organspende? Als Empfänger? Als Spender? Will ich Langzeitbeatmung? Will ich alles, Maximaltherapie? Wenn ich vorher nichts äußere, gibt es die!

Aber denkt auch an Eure Ansprüche an euren Körper und seine Unzulänglichkeiten. Und ich meine keine grauen Haare. Es gibt heute nahezu alles im Ersatzteillager. Und ich rede nicht von „Schönheitsoperationen“! Neue Hüfte, neues Herz! Alles ist möglich und heute nahzu bei allen in jedem Alter. . Erst am Donnerstag mußte ich einer 86jährigen mit einem schwersten Herzklappendefekt sagen, das sie bei einer Hüftgelenksersatzoperation sterben würde. Sie war schon in einem anderen Krankenhaus und ist dort abgelehnt worden. Und war zuerst brüskiert. Aber als sie am Ende unsereres Gespräches ging, hat sie sich bedankt. Sie wird sich mit den Unzulänglichkeiten des Körper neu arrangieren. Ihr 90jähriger Gatte war erleichtert. Es war übrigens ein wunderschönes Paar. Voller Harmonie, mit rosigem Teint, weißen Haaren und mit Würde. „Aber der Orthopäde hat doch gesagt, das kann man operiern“. Ja, man kann!  Aber wie und ob es zu  überleben ist? Was will ich?

Es ist keine angenehmes Thema, das Altern ganz viel später und umso einfacher kommt mir der jetzige Altersprozess vor und ich kann ihn annehmen.

Ich will meine Energie dahingehend einsetzen, das das Alter würdevoll sein kann. Und für mich dahingehend einiges bahnen. Und wenn möglich auch das Ende meines Lebens….

Und wer sich mal einige alte modische Damen mit Würde und Charakter anschauen möchte, dem empfehle ich eine Klick zu ADVANCED STYLE. Ich finde, danach schwindet die Angst vor dem Verlust der Jugendlchkeit, denn Schön kann auch anders…

Edit: Michou hat nochmals über das Thema einiges nach einer Nacht darüber schlafen hinzugefügt. Wieder sehr lesenswert!! Danke, liebe Andrea, das Du uns daran teilhaben läßt!

Edit: und auch bei Mad for mod gibt es interessante Aspekte zum Thema. Cool, was für eine Lawine. Danke Dodo!

 

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